Technische Info zu Schmierstoffen (Stand 04.2005) von Klaus Behle


Allgemein
Es kommt immer wieder vor, dass Kunden auf der Suche nach dem richtigen Motorenöl für ihr neues
Fahrzeug dem Glauben verfallen, dass ein Öl mit der Bezeichnung 5W 30 in jedem Fall von besserer
Qualität ist als ein Öl mit der Bezeichnung 15W 40.
Grundsätzlich sagt die Bezeichnung 15W 40 oder 5W 30 nichts über die Qualität eines Motorenöls
aus.
Die hier gemachten Angaben stützen sich zwar auf den aktuellen Stand, sollen aber nur einen kleinen
Einblick in die technische Produktanalyse bieten. Die Angaben stellen keine Zusicherung von
Eigenschaften des beschriebenen Produktes, und/oder Vollständigkeit dar. Die Komplexität des
Fahrzeugbestandes und die Vielfalt der einzelnen Herstellermodelle macht es für den Laien fast
unmöglich sich auf dem Motorölmarkt zurechtzufinden, zumal die Fahrzeughersteller für die Zukunft
beabsichtigen, für jedes einzelne Modell ihrer Fahrzeugpalette ein speziell, nur für diese Baureihe
entwickeltes Motorenöl einzusetzen.
Seit dem Jahr 1995, mit Aufkommen der ersten hoch aufgeladenen Motoren (u.a. auch
Dieselmotoren) und Direkteinspritzer, steigen die Anforderungen an die Motorenöle. Man muss
wissen, dass im Inneren eines aufgeladenen Direkteinspritzer, Drücke und Temperaturen von über
200 bar bzw. 200°C vorkommen. Ein Öl muss im heutigen alltäglichen Betrieb also nicht nur
schmieren sondern gleichzeitig kühlen, schützen, abdichten, reinigen und dazu noch Laufleistungen
von bis zu 50000 km standhalten. Diese ständig steigenden Anforderungen machten es notwendig,
1998 neue Richtlinien in der Motorenölspezifikation, Klassifikation und Bezeichnung festzulegen.

SAE Bezeichnung
Die Bezeichnung "SAE " steht für die Abkürzung "Society of Automotive Engineers" also die
Vereinigung aus Ingenieuren der amerikanischen Automobilindustrie, welche die Normung und
Klassifizierung der Motoren- und Getriebeöle weltweit in Viskositätsklassen übernahm.
Die SAE Viskositätsklassen sind ein Maß für die Zähflüssigkeit der Schmieröle, jedoch ergeben sie
keine Aussage über Qualität und Zusammensetzung der Motorenöle.
Es wird nach folgenden Viskositätsklassen unterschieden:

Einbereichsmotorenöle:
• SAE 0W
• SAE 10W
• SAE 30 (Rasenmäher)

Mehrbereichsmotorenöle:
• SAE 0W30
• SAE 10W40
• SAE 15W50 (siehe Tabelle)

Zur Erläuterung die:
erste Zahlenangabe vor dem "W" ist die Viskosität im Temperaturbereich bis minus ...°C:
unter -35°C _0W...
bis -30°C _5W...
bis -20°C _10W...
bis -15°C _15W...
0 bis 30°C _SAE 30
15 bis 40°C _SAE 40
oberhalb 40°C _SAE 50

zweite Zahlenangabe nach dem "W" ist die Viskosität im Temperaturbereich bis plus ...°C
bis 30°C ...W 30
bis 40°C ...W 40
über 40°C ...W 50

daraus ergeben sich für unsere Mitteleuropäischen Breiten Kfz-Motoröle mit der Bezeichnung:
Ganzjahresöl: 0 W 30 / 0 W 40 / 5 W 30 / 5 W 40 und 10 W 30 / 10 W 40 / 15 W 40
Für Rasenmäher oder Geräte die nur im Sommer betrieben werden, reichen auch Einbereichsöle der
SAE 30/40/50er Klasse völlig aus.

API Bezeichnung

API Schmierstoffanforderung,
ist die Reißfestigkeit des Ölfilms zwischen dem Zylinder und der Kolbenwand im Motor.
Diese unterteilt sich nach Art der Beanspruchung für Otto- bzw. Dieselmotoren.

API Klassifikation für Benzinmotoren:
• SB geringe Beanspruchung
• SC Motoren Baujahr 1964 bis1971
• SD Motoren Baujahr 1968 bis1971
• SE Motoren Baujahr ab 1972 Stop and Go - Betrieb
• SF Motoren Baujahr ab 1981 für verlängerte Ölwechsel
• SG verbesserte Oxidationsstabilität und Motorensauberkeit ab Baujahr 1988
• SH erfüllt höhere Ansprüche in den Punkten Verdampfungsverlust, Filtrierbarkeit,
Schaumbildung und Flammpunkt, ab Baujahr 1993
• SJ verbesserte Kaltstartverträglichkeit, verlängerte Ölwechsel
• SL verbesserte Leistungsklasse, gültig ab 7/2001

API Klassifikation für Dieselmotoren:
• CA geringe Beanspruchung
• CB mäßige Beanspruchung
• CC leicht aufgeladene Dieselmotoren
• CD hoch aufgeladene Dieselmotoren
• CD Plus hoch aufgeladene Dieselmotoren (verstärkte Norm)
• CE SHPD-Diesel Motorenöl für hoch aufgeladene Dieselmotoren
• CF-4 Spezifikation für schnell laufende 4- und 6 Zylinder Dieselmotoren ergänzt die Spez. CE
in den Punkten Ölverbrauch und Kolbensauberkeit
• CG-4 hochbeanspruchte LKW Dieselmotoren
• CH-4 hochbeanspruchte LKW Dieselmotoren, erfüllt EURO 3 Norm
Neue moderne Öle erfüllen alle die SJ bzw. SL Norm für Benzinmotoren und CE und CF-4 bzw. CH-4
Norm für Dieselmotoren.

ACEA Bezeichnung

ACEA Motorenöl Spezifikation,
ist die Abkürzung für Association dès Constructeurs Europeens Automobiles (der Vereinigung der
europäischen Automobil Hersteller). Dieses Gremium hat neue Klassifikationen für den Einsatz von
Motorenölen in Benzin-, Pkw-, Nfz-, Dieselmotoren erarbeitet. Im Vordergrund bei der Überarbeitung
der alten CCMC Klassen (wird hier nicht weiter erörtert, ist veraltet) und Umstellung auf die ACEA
Normen standen folgende Aspekte.
Standardisierung der Motorentests, um eine zeitgemäße Abprüfung der Schmierstoffe zu erreichen
und den gestiegenen Anforderungen der heutigen Motorentechnik Rechnung zu tragen.
Einführung eines Qualitätssicherungs-Systemes, um durch eine neutrale Stelle (European
Registration Centre) Auditierbar zu sein und es soll verhindert werden, dass für nicht abgeprüfte
Produkte ACEA Klassifikationen ausgelobt werden.
Damit repräsentieren die neuen ACEA Klassen/Normen das höchste Maß an Leistungs- und
Qualitätsniveau.
Es wird nach folgenden Klassen unterschieden (hier nur die wichtigsten):
• Benzinmotoren (Gasoline): eingeteilt nach A1, A2, A3, A4 und A5
• Pkw Dieselmotoren (Light Duty Diesel): eingeteilt nach B1, B2, B3, B4 und B5
• Nfz Dieselmotoren (Heavy Duty Diesel): eingeteilt nach E1, E2, E3, E4 und E5
Die Zahl hinter dem Buchstaben bezeichnet das Leistungsvermögen
• 1. Standart normale Intervalle HTHS Wert >2,9 <3,5
• 2. Standart normale Intervalle HTHS Wert >3,5
• 3. Hochleistungs-Langlauf-Intervalle HTHS Wert >3,5 (15-30 Tkm)
• 4. siehe 3, aber auch für Direkteinspritzer HTHS Wert >3,5 (15-30 Tkm)
• 5. siehe 3 und 4, aber abgesenkte HTHS Wert >2,9 <3,5 (15-30 Tkm)
Neben den beschriebenen Viskositätsklassen (Winter, Sommer) gibt es noch die sogenannte HTHSViskosität.
HTHS steht für "High Temperature High Shear" und beschreibt die dynamische Viskosität
gemessen bei hohen Öltemperaturen (es wird bei 150°C gemessen) und hohem Schergefälle (wenn
man zwei durch eine Flüssigkeitsschicht getrennte Flächen parallel zueinander mit der
Geschwindigkeit [v] verschiebt, entsteht in der Flüssigkeit ein Geschwindigkeitsgefälle [v/h] (auch
Schergefälle genannt) von 10 pro Sekunde (10s) in diesen Bereich muss noch ein tragfähiger
Schmierfilm aufgebaut werden. Durch die Festlegung von Grenzwerten der HTHS soll erreicht
werden, dass Motorenöle auch im Lagerbereich (hohe Schergefälle, hohe Öltemperaturen) die
nötige Schmiersicherheit besitzen. Der Grenzwert bei Motorenölen mit der Spezifikation ACEA A2/A3
und ACEA B2/B3 liegt bei mind. 3,5 mPas. Motorenölqualitäten der Kategorie ACEA A1/B1 haben
eine abgesenkte HTHS bis 2,9 mPas. Grund der Absenkung ist eine zu erwartende
Kraftstoffeinsparung. Zur Zeit laufen Untersuchungen, wie die dynamische Viskosität abgesenkt
werden kann, ohne das erhöhter Verschleiß erzeugt wird.

ACEA Leistungsvermögen HTHS(mPa x S)
A1, B1 Standartqualität, normale Ölwechselintervalle Min. 2,9 max. 3,5
A2, B2 Standartqualität, normale Ölwechselintervalle >3,5
A3, B3 Hochleistungsöl, verlängerte Ölwechselintervalle möglich (15-30 Tkm) >3,5
B4 Wie B3, aber auch für Diesel Direkteinspritzer >3,5
(A4) Reserviert für Benzin Direkteinspritzer
A5, B5 Wie A3/B3, aber abgesenkte HTHS Werte, verlängerte Ölwechselintervalle möglich (15-30
Tkm) Min. 2,9 max. 3,5
E1 Nicht mehr gültig seit März 2000 >3,5
E2 Normaler Einsatz, normale Ölwechselintervalle >3,5
E3 schwerer Einsatz, verlängerte Ölwechselintervalle möglich >3,5
E4 Sehr schwerer Einsatz, verlängerte Ölwechselintervalle möglich >3,5
E5 Schwerster Einsatz, verlängerte Ölwechselintervalle möglich >3,5

WIV Bezeichnung
Bezeichnung WIV auf manchen Gebrauchshinweisen bedeutet verlängerte Ölwechsel-Intervalle (auch
unter LongLife bekannt). Generell gilt ein Öl nach 20000 km als verschlissen/verbraucht.
Laufleistungen >30-50 Tkm werden nur erreicht, weil "Zwangsqualitätsöl" (Frischölzugabe mit
bestimmten Klassifikationen) nachgefüllt werden muss. Daher ist ein Ölverbrauch bis zu 1 Liter auf
1000 km vom Hersteller gewollt. Um sicherzustellen dass zwischen den Serviceintervallen
ausreichend Additiviertes ("frisch") Öl zur Verfügung steht, muss das nachzufüllende Öl den
Herstellerfreigaben entsprechen, sonst erlischt die Gewährleistung der Hersteller.
Anmerkung: Es sollten keine LongLife-Öle in Motoren eingefüllt werden die vor 1998 gebaut wurden,
da die Reinigungswirkung dieser Öle zu groß ist. Dies würde auf Dauer zu Motorschäden führen.
Ab Baujahr 1989/90 ist es eingeschränkt möglich LongLife-Öle einzusetzen, sehen Sie hierzu im
Betriebshandbuch ihres Fahrzeuges nach, oder fragen Sie den Hersteller.

Zweitaktöl

Zweitaktmotorenöl / Motorradöl
Im wesentlichen hat ein modernes Zweitaktmotorenöl die gleichen Aufgaben zu erfüllen, wie ein
Motorenöl für Viertaktmotoren. Unabhängig von der Kraftstoff-Ölgemisch-Aufbereitung, handelt es sich
bei Zweitaktern um eine Verlustschmierung d.h. das eingesetzte Öl wird verbrannt.
Für Motorräder gilt: in Motorradmotoren sollte nur Spezielles Öl für Motorräder verwendet werden, da
die Kupplung zum Teil in einem Ölbad läuft, weshalb ein Kraftschluss über das Öl in diesem Fall
erwünscht ist. Zudem hat ein Motorradöl wesentlich höhere Scherbelastungsanfordungen zu erfüllen,
da das Getriebe über das Motorradöl meistens mit versorgt werden muss.
Würde fälschlicherweise ein Motorenöl z.B. ein "LongLife-Öl" aus dem Pkw Bereich zum Einsatz
kommen, kann die Kupplung unter Umständen keinen Kraftschluss mehr herstellen, die Folge wäre
dann Kupplungsrutschen.
Klaus Behle