Urteil: Vorsicht beim Linksabbiegen
Kommt es zu einem Unfall, weil ein Motorradfahrer einen nach
links abbiegenden Autofahrer seinerseits links überholt, kann keiner
der Beteiligten mit vollem Ersatz seines Schadens rechnen.

Dies gilt vor allem dann, wenn es keine Zeugen gibt und sich die
Unfallbeteiligten über den genauen Unfallhergang nicht einigen
können.

In dem vom ADAC gemeldeten Fall vor dem Amtsgericht Kassel
(Urteil vom 11.12.00 421 C 4260/00) ging es um eine Kollision
zwischen einem links abbiegenden Pkw und einem überholenden
Motorradfahrer.

Der Motorradfahrer behauptete, die Pkw-Fahrerin hätte ihr
Abbiegevorhaben nicht rechtzeitig angezeigt und er hätte es erst
unmittelbar vor der Kollision bemerkt. Die Pkw-Fahrerin hingegen war
der Ansicht, sie hätte rechtzeitig geblinkt und hätte sich
anschließend zur Fahrbahnmitte hin eingeordnet.

Unter Berücksichtigung der Ausgleichspflicht (gem. §17 I StVG)
ist nach Ansicht des Gerichts für beide Parteien von einer
Haftungsquote von 50% auszugehen.

Wer links abbiegen will, muss dies deutlich ankündigen und sich
rechtzeitig zur Mitte hin einordnen. Ist das Linksabbiegen klar zu
erkennen, ist der Linksabbieger rechts zu überholen.

Bei unklarer Verkehrslage ist ein Überholen nicht zulässig und zu
unterlassen. Bei dem zu Grunde liegendem Fall konnte der
Motorradfahrer nicht deutlich erkennen, dass die Fahrerin vor ihm
links abbiegen wollte. Er hätte seinen Überholvorgang abbrechen oder
die Linksabbiegerin rechts überholen sollen.
Quelle: ADAC